Foto: Jürgen Schmidt

LOOP • Centrum für Integrierte Onkologie, Uniklinik Köln

Als markante Lichtskulptur setzt der „Loop“ ein Zeichen auf dem Studierendenweg der Uniklinik Köln. Seine spiegelnden Flächen interagieren mit der ungewöhnlichen Fassadengestaltung des CIO-Gebäudes.

Das 2019 eröffnete Centrum für Integrierte Onkologie (CIO) ist einer der jüngsten Bausteine auf dem Gelände des Universitätsklinikums Köln. Der dichte Bestand des Areals im Stadtteil Lindenthal spiegelt die mehr als 100-jährige Krankenhausgeschichte wider. Nahezu organisch gewachsen reihen sich Bauten aus der Zeit um 1900 an Gebäude der Nachkriegsmoderne, wie das Bettenhaus aus den 1970er Jahren und Gottfried Böhms Krankenhauskapelle von 1962-65, und neuere Projekte wie die 1997 fertiggestellte Bibliothek. 2003 wurde ein Masterplan für das Gelände erstellt, um die Funktionalität und Wirtschaftlichkeit aller Abläufe des Klinikbetriebs zu optimieren. Zu den Maßnahmen gehört neben Neubauten und der Sanierung von Bestandsgebäuden eine neue städtebauliche Strukturierung mit verbesserter Wegeführung. Als eine zentrale Erschließungsachse wurde der sogenannte Studierendenweg definiert, der quer durch den Uniklinik-Campus führt. Als Orientierungs- und Leitsystem spielen Kunst-und-Bau-Objekte hier eine wesentliche Rolle. Damit setzt die Uniklinik als Bauherr zugleich eine Tradition fort, denn bereits seit den 1950er Jahren entstanden bei fast allen Neubauten Kunstwerke: Mehr als 20 Objekte befinden sich auf dem Gelände.

Das CIO liegt am Studierendenweg im Herzen des Klinik-Campus. Es dient als Ambulanzgebäude für die Behandlung von Krebspatienten und für die Erforschung neuer Therapien. Entworfen und realisiert wurde der Bau von medfacilities, einer Tochtergesellschaft der Uniklinik Köln. Sie entwickelte das CIO in enger Abstimmung mit Ärzten, Pflegepersonal und Patientenvertreter*innen, um die Versorgungsqualität zu erhöhen und Betriebsabläufe zu optimieren. Der siebengeschossige Komplex gruppiert sich um zwei Lichthöfe. Tunnel und Brücken verbinden den Neubau mit den Nachbargebäuden. Die Grundrisse ermöglichen die größtmögliche Ausnutzung der knappen Grundfläche und eine flexible Raumaufteilung.

Obwohl das Gebäude aufgrund der räumlichen Enge des Umfeldes nie als Ganzes wahrgenommen werden kann, lässt seine ungewöhnliche, in Zusammenarbeit mit kadawittfeldarchitektur entworfene Fassade es als Solitär in der Umgebung erscheinen und gibt ihm eine eigene Identität. Vorbild war eine sogenannte tabula scalata, ein Riefelbild, bei dem sich je nach Standort unterschiedliche Motive zeigen. Dafür sind zwischen den Fensterachsen oberhalb der Eingangsebene bis zum Dach reichende Aluminium-Lamellen angebracht, die auf der einen Seite mit Grüntönen, auf der anderen mit Rottönen lackiert sind. Aus dem richtigen Winkel betrachtet setzen sie sich zu einem Gesamtbild zusammen, das sich im Vorbeigehen stetig verändert.

Wie die Fassade, so interagiert auch die Skulptur „Loop“ vor dem Haupteingang mit der Bewegung und Wahrnehmung der Passantinnen und Patienten. Eine glänzende Bahn erhebt sich aus dem Studierendenweg, schlägt einen großen Bogen, um auf der anderen Seite wieder im Boden auszulaufen. In der Oberfläche der Schleife aus poliertem Edelstahl spiegeln sich die Fassade des CIO, aber auch die Menschen, die am Gebäude entlang gehen und förmlich zum Durchschreiten des „Loop“ eingeladen werden. Nachts lässt die integrierte Beleuchtung die Skulptur als Lichtbogen erstrahlen.

Die drei Künstler Elisa Balmaceda, Philipp Dreber und Thomas Schmidt hatten sich mit ihrem gemeinsamen Projekt in der zweiten Phase des Kunst-und-Bau-Wettbewerbs unter acht Bewerbern durchgesetzt. Der Jury gefiel besonders, „dass an der Kölner Uniklinik ein besonderes Konzept auch unter städtebaulichen Aspekten realisiert wird“. Nach der Buchstabentafel an der Bibliothek und der Lichtinstallation am CECAD-Gebäude ist der „Loop“ das dritte Kunstwerk am Studierendenweg. Gemäß dem Gestaltungsgedanken der Uniklinik als Auftraggeber sollen „durch eine Kombination von skulpturaler und lichttechnischer Gestaltung […] attraktive Markierungen geschaffen werden, die sich wie Perlen an einer Kette reihen und dem Klinik-Gelände einen ganz eigenen Charakter verleihen“. Das Konzept wird auch beim zweiten Bauabschnitt entlang des Studierendenwegs an der Robert-Koch-Straße fortgesetzt.

Vita

Elisa Balmaceda, geboren 1985 in Santiago de Chile, lebt und arbeitet als experimentelle und multidisziplinäre Künstlerin, Forscherin und Lehrerin zwischen Berlin und Santiago. In ihren Arbeiten setzt sie sich mit den Schnittstellen zwischen Kunst, Landschaft, Technologie und Imagination auseinander. Nach ihrem Kunststudium an der Universidad Católica de Chile absolvierte Elisa Balmaceda im Rahmen eines DAAD-Stipendiums einen Master-Abschluss in Medienkunst an der Kunsthochschule für Medien Köln (KHM). 2016 erhielt sie den KHM-Gleichstellungspreis, 2017 wurde sie für das VISIT-Artist in Residence-Programm ausgewählt und entwickelte ein Kunst-Forschungsprojekt zum Thema Energie und Umwelt. In Kunstprojekten, Publikationen und Workshops arbeitet sie mit Künstler*innen und Kurator*innen aus Europa und Lateinamerika zusammen.

Philipp Dreber, geboren 1980 in Köln, lebt und arbeitet in Köln. Der langjährige Assistent des Metallbildhauers Wolfgang Göddertz absolvierte ein Designstudium an der Hochschule Niederrhein. Seit 2010 ist Philipp Dreber als freischaffender Künstler tätig und realisiert vor allem großformatige Skulpturen für den öffentlichen Raum, raumbezogene Installationen sowie Raum- und Lichtkonzepte. Dazu zählen die Edelstahlskulptur „Dreiklang“ auf dem Alsdorfer Denkmalplatz (2009) und die schwimmenden „Bubbles“ im Garten von Schloss Dyck (2013). Regelmäßig arbeitet Philipp Dreber mit anderen Künstler*innen in Projekten zusammen, die Skulptur mit Fotografie, Klang, Performance und anderen Disziplinen verknüpfen. 2020 verbringt er als Artist in Residence am Kyoto Art Center.

Thomas Schmidt, geboren 1962, lebt und arbeitet in Köln. Nach einem Studium der Kunstgeschichte und Philosophie in Trier, Marburg und Stuttgart war Thomas Schmidt von 1990 bis 1995 Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fakultät Architektur der Universität Stuttgart. Anschließend machte er sich in Köln selbständig und realisiert seitdem Projekte in den Bereichen Lichtkunst, Lichtgestaltung und Lichtplanung für private und gewerbliche Auftraggeber.

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