Foto: juergen-schmidt-fotografie.de

Ohne Titel (Hauszeichen) • Augenklinik, Uniklinik Köln

Seit 1953 blickt das von Ernst Wille in Sgraffito-Technik gestaltete Auge auf die Uniklinik Köln.

Der Wiederaufbau und Ausbau der Uniklinik Köln war in den 1950er Jahren eines der umfangreichsten Projekte des städtischen Hochbauamtes unter der Leitung von Theodor Teichen. Die Augenklinik, deren Gebäude 1944 vollständig zerstört worden war, zog nach  dem Krieg zunächst provisorisch in den Pavillon der HNO-Klinik. Zwischen 1953 und 1955 entstand ein Neubau, der seit 2000 unter Denkmalschutz steht. Das Hauptgebäude ist ein langgestreckter fünfgeschossiger Baukörper, dessen Fassade durch die großzügigen Loggien der Patientenzimmer geprägt wird. An die westliche, durchfensterte Schmalseite schließt ein niedriger verglaster Verbindungsbau an, über den der rückwärtig angrenzende Gebäudeteil erschlossen wird. An dieser Schnittstelle befindet sich das Fassadenkunstwerk von Ernst Wille.

Ausgeführt ist die Arbeit in der Sgraffito-Technik, die in den Kunst-und-Bau-Projekten der 1950er Jahre eine neue Blüte erlebte. Die Erstellung der mehrschichtigen Putzarbeiten war zwar aufwändig und erforderte hohes handwerkliches Geschick. Im Vergleich zu Keramik, Bronze, Marmor und anderen Werkstoffen waren die Materialkosten jedoch gering. Das verhalf dem Sgraffito in der Nachkriegszeit vor allem im Siedlungsbau, aber auch bei anderen staatlich geförderten Baumaßnahmen zu großer Beliebtheit. Während die meisten dieser Arbeiten figürliche Szenen darstellen, die nach den harten Kriegs- und Wiederaufbaujahren eine idyllische Welt zeigen, ist Ernst Willes Hauszeichen deutlich abstrakter.

Aus geometrischen Formen setzt sich ein Auge zusammen, das wiederum in der Mitte einer übergroßen Iris platziert ist. Umgeben ist es von Elementen, die an leuchtende Himmelskörper – eine Sonne, eine Mondsichel und ein Sternenfeld – erinnern. Linien durchschneiden das Bild wie Lichtstrahlen. Das Hauszeichen an der Augenklinik ist somit mehr als ein einfacher Hinweis auf die Funktion des Gebäudes. Vielmehr thematisiert Ernst Wille die Physiologie des Sehens, die Rezeption und Verarbeitung von Lichtreizen, die das visuelle Erleben von Kunst erst möglich machen.

Vita

Ernst Wille, geboren 1916 in Werne, gestorben 2005 in Köln, lebte und arbeitete in Köln. Nach einer Malerlehre erhielt er 1936 ein Stipendium für die Kölner Werkschulen, wo er bis 1940 – unter anderem in der Bildhauerklasse von Wolfgang Wallner – studierte. Wille war Professor an der Werkkunstschule Aachen. 1997 erhielt er den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen.

Seine bedeutendsten Kunst-und-Bau-Werke realisierte Ernst Wille in den 1950er und 60er Jahren in Köln, darunter das Wandbild „Bücherei“ im ehemaligen Deutz-Kalker-Bad, die Wandgestaltung des Agrippabades, das Betonfassadenrelief der 2002 abgerissenen Josef-Haubrich-Kunsthalle sowie die sogenannte Kölner Wand, eine Fassadenplastik zwischen dem historischen Rathaus und seiner 1966–1971 entstandenen südlichen Erweiterung.

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