Forum Alfred-Herrhausen-Schule
Alfred-Herrhausen-Schule, Düsseldorf
| Künstler*in | Ute Reeh |
| Entstehungszeit | 2009–2010 2011–2012 (Aufstellung/Installation) |
| Material | Lärchenholz, verzinkter Stahl, orange, glasierte, frostresistente Keramik, Dauerholz |
| Technik | Vom Architekturbüro Schild und Schild beauftragte Holzkonstruktion mit Stahlgeländer, sowie durch die Firma nbk technisch beratene Keramikarbeiten |
| Maße | 32,57 x 14,11 x 2,86 m (B x T x H), Höhe inkl. Geländer |
| Verfahren | Sonstiges: Referenzprojekt zu Kunst am Bau als Prozess. Partizipativer Ideenfindungs-, Planungs- und Umsetzungsprozess. Die Prozesschoreografie, das künstlerische Werk, beinhaltet unter anderem bei jedem Schritt, jeder Idee, den Impulsen und Beobachtungen der Kinder und Jugendlichen zu folgen und im zweiten Schritt Studierende und Fachleute als Partner der Kinder einzubeziehen. Die Kinder und Jugendlichen waren auch bei der Umsetzung, Reflexion und Dokumentation maßgeblich einbezogen. Ute Reehs zeichnerische Arbeit begleitete den Prozess und machte dessen Form sicht und diskutierbar. Die Choreografie ist, als äquivalent einer Komposition, der konzeptuelle Teil des künstlerischen Werks. An der Autorenschaft des Objektes haben alle Beteiligten Anteil. |
| Kosten | Gesamtkosten brutto 125.445,93 € |
| Adresse | Carl-Friedrich-Goerdeler-Straße 21 40595 Düsseldorf |
| Bauherr | Landeshauptstadt Düsseldorf |
| Standort | Das Bauwerk umschließt das Nebengebäude der Schule und einen Baum vom nördlichen Ausgang über die nord-westliche Ecke und die Westfassade bis zum Haupteingang Route in Google Maps |
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Die Terrasse an der Alfred-Herrhausen-Schule ist das mit dem Schulbaupreis NRW 2013 des Ministeriums für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen (MSW) in Zusammenarbeit mit der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen ausgezeichnete Referenzprojekts für Kunst am Bau als Prozess*.
Begründung der Jury unter Vorsitz von Prof Ludwig Wappner:
"Die Jury lobt das besondere Engagement aller Beteiligten und die herausragende Qualität des Prozesses, der die Förderschülerinnen und -schüler und ihre Ideen in den Mittelpunkt stellt. Durch ihre Einbindung vom Entwurfsgedanken bis hin zur öffentlichen Präsentation der Ideen kommt es zu einer Wertschätzung, die spürbar und auf bisher noch nie da gewesene Weise die Kompetenzen der Schüler herausarbeitet. Daneben ist die Arbeit auch von einer hohen gestalterischen Qualität.“
Prozesse in ihrer Form stellen den Kern von Ute Reehs Arbeit dar. Sie bezeichnet diese Arbeit als Tauchen im Zwischenraum unterhalb der Ebene von Konzeptionen und sich selbst erhaltenden Normen. In diesem ist Raum für spontane Beobachtungen und intuitivem Erfassen von Bezügen in den den komplexen Systemen deren Teil wir sind.
Zusammen mit der Schulleitung und den Schüler:innen identifizierte Ute Reeh den 2009 anstehenden Planungs- und Umbauprozess an einem Gebäude der Schule als Möglichkeit, diesen im Sinne der Schule und ihrer pädagogischen Zielstzung zu nutzen.
Basierend auf positiven Erfahrungen mit diesbezüglichen Projekten und der Ernsthaftigkeit der Kinder und Jugendlichen warf der Schulleiter die Frage auf, ob es denkbar sei, statt der geplanten, in üblicher Bauweise stählernen, verzinkten Feuertreppen als vorgeschriebenen zweiten Fluchtweg eine Terrasse für das Gebäude zu errichten.
Die Gesamtform des das Gebäude umschließenden Terassen-Bauwerks ist als besonders schöne und markante Form hervorzuheben. Die Terrasse öffnet das Schulgebäude nach außen zum Schulhof hin mit einer amphitheaterartigen Struktur und bildet zugleich Bühne und Tribüne für den Schulhof. Die Terrassenfläche umschließt eine Ecke des Gebäudes und einen großen Baum. Um den Baum herum lädt eine Vertiefung mit kreisförmigen Sitzstufen zum Sitzen ein.
Tosca, Schülerin, konstatierte 2012, der Baum stehe in der Terrasse wie eine Mutter neben ihrem Kind. Beides zeige, dass Leben Teil dieser Schule sei.
Seit 2012 wurde die Terrasse auch als Freiluftaula genutzt.
Im Jahr 2022 wurde deutlich, dass das verwendete Holz ausgetauscht werden musste. 2024 wurde festgestellt, dass die Unterkonstruktion nicht fachgerecht gegen aufsteigende Feuchtigkeit geschützt worden war. 2025 sperrte das Schulverwaltungsamt die Terrasse und baute sie im Sommer ab. Das Geländer mit den von Schüler:innen der Schule handgefertigten Handläufen aus glasiertem Ton wurde von der Stadt eingelagert.
* Dem Beirat zum Modellprojekt Schulkunst – Kunst am Bau als Prozess gehörten an:
Frauke Burgdorff — Stadtplanung — Bonn
Dr. Christopher Dell — Struktur und Metaebene — Berlin
Dr. Gregor Jansen — Kunst — Kunsthalle Düsseldorf
Prof. Johannes Schilling — Architektur — Hochschule Münster
Prof. Pablo Molestina — Bauprozesse — Hochschule Düsseldorf
Ute Reeh — Kunst als Prozess – , Düsseldorf
Dr. Otto Seydel: Institut für Schulentwicklung, Überlingen
Peter Zerfaß — Kunst und Bildung - Alfred-Herrhausen-Schule, Düsseldorf
- von Sebastian Bertalan
Ute Reeh
studierte Biologie und bildende Kunst in Kassel und Düsseldorf und war Meisterschülerin bei Nam June Paik. Sie beschäftigt sich mit der Relevanz künstlerischer Arbeit für gesellschaftliche Systeme und deren Veränderungsprozesse.
Seit 1987 umfasst ihre Arbeit Performance, großformatige Papierarbeiten, Zeichnung, Video und Skulptur; ab 1993 Erweiterung hin zu prozesshafter Arbeit und offenem Raum; 2014 Gründung des Zentrums für Peripherie als künstlerische Arbeit und zur Erforschung komplexer gesellschaftlicher Prozesse und deren Form.
| Links | Kunst am Bau als Prozess und als Katalysator für Schulentwicklung, 2015, Weinheim, Basel, 2015 Reeh - Schulkunst.org, Schulbaupreis Reeh - Schulkunst.orf, Alfred-Herrenhausen-Schule |
| Quellen | Reeh, Ute: Kunst am Bau als Prozess und als Katalysator für Schulentwicklung, 2015, Weinheim und Basel, 2015 Dr. Seydel, Otto:Das Wunder von Garath* - Die Terrasse an der Alfred-Herrhausen-Schule in Düsseldorf-Garath |





