Foto: juergen-schmidt-fotografie.de

Aphrodite • HNO-Klinik, Uniklinik Köln

Eine antike Göttin in modernem Gewand bewacht seit 1958 den Eingang zur Kölner HNO-Klinik.

Seit den 1950er Jahren wurde mit nahezu jedem Neubau der Uniklinik Köln auch ein Kunstwerk realisiert. Die erste Skulptur auf dem Gelände war 1958 die Aphrodite vor der HNO-Klinik. 1919 war die Universitäts-Klinik für Hals-Nasen- und Ohrenkrankheiten in einen der gründerzeitlichen Pavillons der ehemaligen Krankenanstalt Lindenburg eingezogen. Nach dem Krieg musste sie sich das schwer beschädigte und nur provisorisch wiederhergestellte Gebäude für einige Jahre mit der Augenklinik teilen, deren Haus 1944 komplett zerstört worden war. Auch nach der Fertigstellung der neuen Augenklinik blieben die Verhältnisse beengt, so dass 1955 die Entscheidung für einen modernen Neubau für die HNO-Abteilung fiel, der 1961 eröffnet wurde.

Der Komplex besteht aus einem zweigeschossigen Baukörper mit OP-Sälen, Laboratorien, Hörsälen und Poliklinik und dem fünfgeschossigen Bettenhaus, an dessen Südseite den Patientenzimmern große Loggien vorgesetzt sind. Verbunden werden die beiden Trakte durch einen großflächig verglasten, zweigeschossigen Bau, in dem sich der Haupteingang befindet. Davor öffnet sich ein kleiner Platz, auf dem Kurt Lehmanns Skulptur „Aphrodite“ aufgestellt ist.

Die abstrahierte Figur aus Muschelkalk steht mit weitem Schritt auf dem Sockel. Ihr Gewand umspielt den Körper. Die Arme sind über dem Kopf verschränkt. Ihr Blick geht über die rechte Schulter zum Gebäude. Beeinflusst wurde der Bildhauer von antiken Statuen, die er 1958 bei einer Reise nach Griechenland besuchte. Er interpretierte das klassische Motiv der Liebesgöttin aber auf zeitgenössische Weise neu. Neben der großen Muschelkalkskulptur ist noch eine kleinere Fassung der Aphrodite aus Bronze erhalten.

Die Beziehung zwischen Kunstwerk und Architektur ist bei der Aphrodite weniger deutlich zu erkennen als bei anderen Kunst-und-Bau-Projekten. Für Kurt Lehmann war sie jedoch in seiner Arbeit allgegenwärtig. Über seine Tätigkeit als Professor für Modellieren an der Architekturfakultät der Technischen Hochschule Hannover sagte er:

„Die drei Bauelemente, aus denen Architektur sich zusammensetzt, sind seit Urzeiten: Fläche, Raum und Körper. Um damit zu gestalten, muß man Fläche, Raum und Körper nicht nur berechnen und konstruieren können, sondern die Studenten müssen auch Erfinden lernen. Auch der Bildhauer gestaltet mit Fläche, Raum und Körper, und darum fühlt er sich (wenigstens mir geht es so) beim Architekten mehr am Platze.“

— Kurt Lehmann: Grundlagen plastischer Gestaltung, o. J. Zitiert nach: Lange, Rudolf: Kurt Lehmann. Ein Bildhauerleben. Hannover: Schäfer, 1995, S. 32

Vita

Kurt Lehmann, geboren 1905 in Koblenz, gestorben 2000 in Hannover, war als Bildhauer überwiegend in Kassel und Hannover tätig. Lehmann studierte von 1924 bis 1929 an der Staatlichen Kunstakademie Kassel bei Alfred Vocke. Nach Studienreisen nach Belgien und Frankreich ging er 1930 mit einem Stipendium in der Villa Massimo nach Rom auf: Anschließend lebte er in Berlin, später in Kassel. 1949 erhielt er eine Professur für Modellieren im Fachbereich Architektur der Technischen Hochschule Hannover. 1955 nahm Kurt Lehmann an der documenta 1 in Kassel teil. Er wurde unter anderem 1948 mit dem Kunstpreis der Stadt Recklinghausen, 1949 mit dem Großen Kunstpreis der Stadt Köln und 1959 mit dem Großen Preis des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet.

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