© VG Bild-Kunst Bonn 2020, Foto: Michael Rasche

Alles im grünen Bereich • Polizeipräsidium Bochum

Die Farbe Grün ist das künstlerische Element, mit dem Susanne Stähli eine Klammer zwischen heterogenen Architekturformen, unterschiedlichen Materialien sowie Innen und Außen bildet.

Das Polizeipräsidium Bochum liegt im Stadtparkviertel am Rande der Innenstadt. Der 2010 fertiggestellte Erweiterungsneubau vervollständigt den dreiteiligen Komplex und ermöglichte die Zusammenführung aller Dezernate an einem Standort. Kurze Wege optimieren die Zusammenarbeit der rund 300 Beschäftigten. Mit dem ersten Ergänzungsbau von 1993 und dem denkmalgeschützten Altbau aus dem Jahr 1929 ist der Neubau über Brücken verbunden. Die Fassadengestaltung des fünfgeschossigen Verwaltungsgebäudes lehnt sich an die architektonische Sprache der Bestandsbauten an, interpretiert sie aber in zeitgenössischer Art. Über dem Sockel aus Muschelkalk bilden die weißen Fensterrahmen einen Kontrast zum lebhaft-dunklen Klinker.

Von Beginn an spielte die Kunst eine wichtige Rolle für die Architektur des Polizeipräsidiums. Für die Eingangshalle des Altbaus entwarf der Glaskünstler Gerhard Wind 1986 neue Fenster als Ergänzung zur ursprünglichen baukünstlerischen Gestaltung. Die Verbindungsbrücke zum Erweiterungsgebäude prägt eine großflächige Glasarbeit von Leo Müllenholz. Im Außenbereich steht außerdem eine Skulptur von Diethelm Koch. Dieser Tradition folgend wurde auch für den Neubau ein Kunst-und-Bau-Projekt geplant. Beabsichtigt war die Gestaltung der Decke der zweigeschossigen Eingangshalle, von deren Galerie aus man über die Verbindungsbrücke ins Nachbargebäude gelangt. Nachdem der ursprünglich beauftragte Künstler Kuno Gonschior noch vor Umsetzungsbeginn verstorben war, entschied man sich, einen Wettbewerb mit einer Auftragssumme von 40.000 Euro auszuloben.

Durchsetzen konnte sich Susanne Stähli mit ihrer Arbeit „Alles im grünen Bereich“, die nicht nur die geforderte Deckengestaltung umfasst, sondern auch – wie optional vorgesehen – Wände und Fenster miteinbezieht. Die farbliche Neutralität der Eingangshalle bricht sie durch grüne Elemente auf: Die Decke über der Galerie leuchtet in hellem Grün, über die Brüstung zieht sich ein grünes Lichtband, Antikglas und transparente Folien in verschiedenen Grüntönen sind an den Fensterscheiben angebrachtist in die Fenster eingesetzt. Abhängig von Tageszeit und Witterungsverhältnissen ergibt sich so ein farbiges Wechselspiel aus Licht und Schatten, aus hellen und dunklen Zonen, die den Raum jedes Mal anders erscheinen lassen.

„Die Farbe Grün“, so Stähli, „bildet den Leitfaden des künstlerischen Konzeptes. Dieses verknüpft die horizontalen Blickachsen der Halle miteinander, sodass sich eine Wahrnehmung für den Raum als Ganzes ergibt. Darüber hinaus werden über die Farbe Grün innen und außen miteinander verbunden.“ Tagsüber lässt das Sonnenlicht durch die grünen Fensterzonen farbige Flächen in der Halle scheinen, abends leuchtet der Raum von innen heraus. Dieser Ansatz überzeugte die Jury: „Das Konzept […] schafft mit Hilfe von Farbe und Licht eine überzeugende Klammer zwischen den heterogenen Architekturformen und Materialien. Die farbigen Scheiben verbinden zudem eindrucksvoll innen und außen, sodass das Gebäude nicht als hermetisch abgeschlossen, sondern als einladend empfunden wird.“

Vita

Susanne Stähli, geboren 1959 in München, lebt und arbeitet in Witten. An der Fachhochschule für Kunst und Kunsttherapie in Ottersberg studierte sie von 1982 bis 1986 Malerei. 1989 erhielt sie den Förderpreis der Stadt Witten. 2006 war sie Artist in Residence an der Universität Witten/Herdecke, wo sie seit 2007 einen Lehrauftrag hat. In ihren künstlerischen Arbeiten setzt sie sich mit der Wirkung von Licht und Farbe auseinander.

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