Foto: Ansgar van Treeck

Vernetzung • Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen

Über zweihundert Meter erstreckt sich die Wandgestaltung von Peter Kogler über die zentrale Magistrale im LKA. Das riesige Netz verknüpft die architektonischen Elemente.

Auf rund 60.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche bietet der 2010 fertiggestellte Gebäudekomplex des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen (LKA NRW) erstmals ausreichend Platz für die unterschiedlichen Einrichtungen der Behörde, deren mehr als 1.000 Beschäftigte zuvor dezentral untergebracht waren. Der Neubau ist architektonisch und funktional in drei Bereiche gegliedert: Der Verwaltungstrakt mit Büros und Besprechungsräumen ist über eine gläserne Eingangshalle mit dem Kriminaltechnischen Institut verbunden, in dem sich hochspezialisierte Labore befinden. Die Glasfront des zentralen Foyers trägt dazu bei, dass sich das Gebäude trotz der hohen Sicherheitsanforderungen zum Außenraum öffnet. Horizontale Fensterbänder mit farbigen Glaspaneelen geben den hellen Putzfassaden der beiden angrenzenden fünf- und sechsgeschossigen Baukörper ihre charakteristische Gestalt. Die orthogonalen Strukturen werden durch die schräg verlaufende Magistrale aufgebrochen. Diese fast 200 Meter lange Erschließungsachse verbindet alle Gebäudeteile, durchquert die begrünten Innenhöfe und ermöglicht eine einfache Orientierung.

Eine Wand der Magistrale gestaltete der Künstler Peter Kogler, der sich 2008 im Kunst-und-Bau-Wettbewerb durchsetzen konnte. Die für 89.000 Euro realisierte Arbeit zieht sich auf zwei Ebenen über die gesamte Länge des Verbindungsgangs. Seinen Entwurf entwickelte der Medienkünstler am Computer: Formen und Muster projizierte er an simulierte Raumwände. Das so entstandene Bild wurde auf Papier gedruckt und an der Wand der Magistrale angebracht. Ein Netz aus schwarzen Linien spannt sich über die Fläche und verdichtet sich stellenweise zu dreidimensionalen Gebilden. Hier und da sind gegenständliche Elemente integriert, darunter Glühbirnen, ein Globus und Koglers Markenzeichen, die Ameise, die er schon 1992 bei der documenta IX in Kassel krabbeln ließ.

„Kogler nimmt die global vernetzte Arbeitsweise der Behörde in seine Darstellung auf. Die Netzstruktur, die in ihrer Bewegtheit plastisch hervorzutreten scheint, irritiert und regt den Betrachter an. Die einzelnen Elemente innerhalb des Netzes – Ameisen, Gehirne, Papillarlinien, Weltkarte usw. – verweisen auf die Aufgaben der Behörde, gleichzeitig leiten sie den Betrachter auf hintersinnige und humorvolle Weise“, urteilte die Jury. Gestalterisch sind enge Bezüge zwischen Kunst und Architektur erkennbar. Das Schwarz-Weiß des Bildes nimmt die weitgehend unbunte Gestaltung der baulichen Elemente auf. Die Netzstruktur scheint wie ein verzerrtes Negativ der Fugen des Fußbodens. Zugleich stehen der strengen Geometrie der Architektur die fließenden Formen des Kunstwerks gegenüber, in dem man kaum rechte Winkel entdeckt. Alle Einzelheiten werden durch das riesige Netz zusammengehalten, das sich über architektonische Elemente wie Türen und Stahlträger hinweg über die gesamte Wandfläche erstreckt. Dennoch ist das Kunstwerk immer nur in Teilen wahrnehmbar und lädt den Betrachter ein, es im Weitergehen nach und nach zu erfahren.

Vita

Peter Kogler, geboren 1959 in Innsbruck, lebt und arbeitet in Wien. Nachdem er von 1974 bis 1978 die Kunstgewerbeschule in Innsbruck besucht hatte, studierte Peter Kogler bis 1979 an der Akademie der bildenden Künste Wien. Von 1986 bis 1987 lehrte er an der Städelschule in Frankfurt am Main, ab 1993 an der Akademie der bildenden Künste Wien. Seit 2008 hat er eine Professur für Grafik an der Akademie der Bildenden Künste München inne. Bei der Erstellung seiner großflächigen grafischen Arbeiten nutzt der mehrfach ausgezeichnete Medienkünstler Computeranimationen und Videoinstallationen. Zu seinen Werken im öffentlichen Raum zählen unter anderem die Wand- und Deckengestaltung des Grazer Hauptbahnhofs und eine Installation im U-Bahnhof am Wiener Karlsplatz.

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