Paderborner Farbwald

Universität, Paderborn

Ein künstlicher Hain aus Farben – Tappesers Farbwald erzählen vom Lauf der Sonne und dem Takt der Zeit.

Kunst
Künstler*inRainer Tappeser
Entstehungszeit1978–1979
MaterialRechteckrohre aus Stahl auf Unterkonstruktion
Technikeinbrennlackiert, feuerverzinkt, hinterlüftet, Ortsbetonfundament
Maßeca. 1200 x 5000 x 8000 cm (25-teilig)
VerfahrenBegrenzt-offener Wettbewerb - Einladungsverfahren, Mehrstufig
Kosten-
Bau
AdresseWarburger Str. 100
33098 Paderborn
Erweiterungen2010–2011 BLB NRW Bielefeld
2016–2018 BLB NRW Bielefeld
2022–2024 BLB NRW Bielefeld
BauherrBLB NRW
StandortCampus der Universität, Wiese vor dem Audimax
Route in Google Maps
Zugänglichkeit

Frei zugänglich

Karte
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Im Takt der Himmelsrichtungen

Mitten auf dem Campus der Universität Paderborn erstreckt sich ein besonderes Ensemble vertikaler Farbkörper: der Paderborner Farbwald von Rainer Tappeser. Die 25 Stahlstelen aus einbrennlackiertem Rechteckrohr bilden eine offene, rhythmisch gesetzte Struktur, die sich nahtlos in die Umgebung einfügt und zugleich mit den umstehenden Bäumen in Dialog tritt.

Die vierfarbigen Ansichten jedes einzelnen Elements verweisen als Teil der Werkgruppe „Die Himmelsrichtungen“ auf die jeweilige Ausrichtung: Blau steht für den kühlen Norden, Rot für das aufblühende Licht des Ostens, Gelb für die sonnige Südseite und Grün für das abklingende Licht des Westens. Die 24 Stelen stehen dabei symbolisch für die Stunden eines Tages, ergänzt um ein „Leitelement“, das die Komposition zentriert.

Tappeser spricht vom „egozentrischen“ Erleben. Jede Stele richtet sich individuell nach der Position der betrachtenden Person aus und zeigt ihr die zugewandte Farbe – ein Spiel von Orientierung und Wahrnehmung, das die Bewegung von Licht und Zeit ebenso sichtbar macht wie den Verlauf der Jahreszeiten. Denn durch die Kombination mit dem natürlichen Baumbestand entsteht ein Spannungsverhältnis zwischen organischem Wachstum und künstlerischer Setzung.

Das Werk entstand im Rahmen eines geladenen Wettbewerbs mit 20 Teilnehmer*innen und wurde 1979 realisiert. 1994 wurden einzelne Elemente aufgrund baulicher Veränderungen leicht versetzt. Bis heute ist der Paderborner Farbwald ein markantes Beispiel für Kunst und Bau, das sich nicht auf Dekoration beschränkt, sondern das Umfeld bewusst mitgestaltet – inhaltlich, räumlich und atmosphärisch.

Die Universität Paderborn

Die heutige Universität Paderborn wurde im Jahr 1972 gegründet. Sie entstand aus dem Zusammenschluss mehrerer Bildungsinstitutionen, was sich nicht nur organisatorisch, sondern auch architektonisch in einem kraftvollen Neuanfang manifestierte. Mit dem Bau des Campus an der Warburger Straße entstand eine Anlage, die das Bildungsverständnis der 1970er-Jahre architektonisch umsetzte. Offenheit, Zugänglichkeit und funktionale Klarheit waren die gestalterischen Leitprinzipien.

Das architektonische Konzept orientierte sich am Stil des Brutalismus. Sichtbeton, großflächige Glasfassaden und vertikal gegliederte Fassadenraster prägen das Bild der frühen Universitätsbauten. Anstelle eines zentralen Gebäudes wurde eine horizontale Struktur aus Einzelvolumen gewählt. Diese Struktur organisierte Lehre, Forschung und Verwaltung dezentral und schuf zugleich Begegnungsräume im Außenbereich. Das „Allgemeine Verfügungszentrum“, dessen Errichtung in den Jahren 1972 bis 1974 erfolgte, bildet bis heute das Herzstück des Campus.

Galerie
Vita

Rainer Tappeser wurde 1941 in Düsseldorf geboren. Nach dem Abitur 1961 absolvierte er ein Studium an der Werkkunstschule Dortmund bei Ulrich Knispel sowie an der Hochschule für bildende Künste in Berlin, wo er 1968 zum Meisterschüler von Hermann Bachmann ernannt wurde. Neben der Malerei war er für Theaterproduktionen in Berlin und Frankfurt tätig. Seit 1969 ist er freischaffend tätig und realisiert Arbeiten in den Bereichen Landschaft und Architektur, Installationen sowie fotografische Projekte im Kontext der Fliegerei. Es lassen sich wiederkehrende Themen identifizieren, die sich insbesondere auf Farbe, Himmelsrichtungen und Sprache beziehen. Aufgrund von Gastprofessuren war er an den Universitäten in Berlin und Brüssel tätig. Seit dem Jahr 1975 ist er Mitglied im Deutschen Künstlerbund. Tappeser lebt in Deutschland und Frankreich und ist in zahlreichen Sammlungen im In- und Ausland vertreten.

Weitere Informationen
LinksKünstlerbund - Paderborner Farbwald
Website Tappeser
Quellen• 40 Jahre Universität Paderborn, hrsg. von Peter Freese, Paderborn 2012 • Sigrid Blömeke / Hans-Georg Schwarz, 20 Jahre Uni-GH Paderborn. Eine Dokumentation zu Geschichte und Gegenwart, Paderborn 1993 • Einblicke-Ausblicke, 25 Jahre Universität-GH Paderborn, hrsg. von Elisabeth Fisch und Hartmut Vollmer im Auftrag des Rektorats der Universität-Gesamthochschule Paderborn, Paderborn 1998