Foto: Gatermann+Schossig

Tangram of fire • Hauptfeuer- und Rettungswache Krefeld

Eine ungewöhnliche Idee der Architektin Dörte Gatermann und des Künstlers Thomas Weil ermöglichte die Realisierung der ornamentalen Kunstwand in der Krefelder Feuerwache trotz knappen Budgets.

Mit mehr als 100 Jahren war die Hauptfeuerwache Krefeld in der Florastraße zwar die älteste Deutschlands, doch längst nicht mehr zeitgemäß. Als Ersatz begannen 2014 am neuen Standort die Arbeiten für einen modernen, funktionalen Bau, der knapp zwei Jahre später in Betrieb genommen werden konnte. Die Planungsgruppe Gestering Knipping de Vries entwarf gemeinsam mit Gatermann+Schossig Architekten (seit 2020 Supergelb Architekten) den H-förmigen Gebäudekomplex gemäß den komplexen Anforderungen an effiziente und optimierte Abläufe für die 240 Berufsfeuerwehrleute. Die Verwendung von dunklem Ziegel für die Fassaden knüpft an Krefelder Bautradition an und erinnert an die alte Feuerwache, aber auch an Haus Esters und Haus Lange von Ludwig Mies van der Rohe.

Im südlichen Gebäuderiegel A sind die Einsatzwachen der Feuerwehr und des Rettungsdienstes, die Leitstelle, Sporthalle und Fitnessraum sowie die Kleiderkammer mit Wäscherei und Schneiderei untergebracht. Das Obergeschoss bietet Ruheräume und Dachterrassen für die Einsatzkräfte. Hinzu kommen 40 Alarmhallen-Stellplätze mit Anbindung an die Zufahrt zur Neuen Ritterstraße. Der nördliche Gebäuderiegel B nimmt die Fachbereichsleitung, die Fachabteilungen, die Instandhaltung und Logistik sowie die Bürgerinformation auf. Verbunden sind die beiden Baukörper durch das Foyer, das als Scharnier zwischen dem Betriebshof und dem öffentlichen Raum fungiert. Die große Halle, die für Ausstellungen und Veranstaltungen genutzt werden kann, öffnet sich mit einer gläsernen Fassade zum vorgelagerten Platz und erlaubt Passanten Einblicke ins Innere. Damit soll die Feuerwehr stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt werden.

Als besonderer Blickfang dient das großflächige Relief „Tangram of fire“ an der zweigeschossigen Rückwand des Foyers, das bei Tag und Nacht vom Vorplatz aus sichtbar ist. Architektin Dörte Gatermann hatte von Beginn an geplant, diese Fläche „durch einen Kunstbeitrag [zu] gestalten, so dass die Aufmerksamkeit und das Hineinziehen in den technischen Bau durch einen emotionalen Faktor gelingen könnte. Gleichzeitig ist dieser Ort aber auch für die Feuerwehrleute ein Identifikationspunkt“. Rauten und Dreiecke aus Metall setzen sich vor der Betonwand zu einem ausdrucksstarken Ornament zusammen. Im Zentrum verdichtet, bilden die geometrischen Formen optisch ein Rechteck, aus dem einzelne Elemente ausbrechen und nach außen streben. Die glänzend rote Lackierung erinnert an die Farbe der Einsatzwagen, in Verbindung mit den gezackten Formen aber auch an Flammen.

Was heute als integraler Bestandteil des Bauwerks erscheint, verdankt seine Entstehung allerdings einer ungewöhnlichen Maßnahme. Da kein Budget für ein Kunstwerk zur Verfügung stand, wurde ein bereits bestehendes Objekt genutzt, das Dörte Gatermann mit dem Künstler Thomas Weil im Jahr 2000 beim Umbau des Kölner Hafenamtes entwickelt hatte. Der neue Besitzer der Immobilie wollte das Metallrelief im Zuge geplanter baulicher Veränderungen entfernen. Thomas Weil konzipierte aus den abgebauten Elementen ein neues Werk für die Krefelder Feuerwache. So wie das Legespiel Tangram immer wieder andere Konstellationen zulässt, konnte auch das Kunstwerk neu arrangiert werden. Durch die Wiederverwertung blieben die Kosten gering, die Montage übernahm die Baufirma.

Vita

Thomas Weil, geboren 1944 in Garmisch-Partenkirchen, lebt und arbeitet im bayerischen Friedberg. Der Sohn eines Kunstmalers und einer Bildhauerin studierte von 1964 bis 1970 Architektur an der Technischen Universität München. Bis 1988 lag sein Schwerpunkt auf Komplettausstattungen von Innenräumen mit Stoff- und Teppichentwürfen, Mobiliar und Beleuchtung. Ab 1988 legte er seinen Schwerpunkt auf Design und seit 1996 auf das Thema Ornament in Architektur, Kunst und Design. Gemeinsam mit Claudia Weil bildet er die Ateliergemeinschaft Ornamentconcepts. Thomas Weil arbeitet eng mit Architekt*innen zusammen, besonders mit dem Kölner Büro Supergelb Architekten (bis 2020: Gatermann+Schossig). Gemeinsam realisierten sie zahlreiche Kunst-und-Bau-Projekte, unter anderem beim RömerMuseum im Archäologischen Park Xanten und beim Umbau des Hafenamtes im Kölner Rheinauhafen.

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