| Künstler*in | Otto Herbert Hajek |
| Entstehungszeit | 1969–1972 |
| Material | Beton, Stahl, Farbe |
| Verfahren | Unbekannt |
| Adresse | Hauptstraße 92 58332 Schwelm |
| Standort | Vorplatz des Kreishauses, Hauptstraße Route in Google Maps |
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Mit seiner Werkreihe „Stadtikonographien“ schuf Otto Herbert Hajek ab den späten 1960er Jahren kraftvolle Gegenbilder zur autogerechten Stadt. Seine raumgreifenden, farbintensiven Skulpturen im öffentlichen Raum sind Ausdruck eines künstlerischen Anspruchs, der den Stadtraum nicht nur gestalten, sondern verändern will: hin zu einem Ort der Kommunikation, der Orientierung und der Teilhabe.
Ein besonders prägnantes Beispiel für diesen Anspruch ist das Kunstwerk vor dem Kreishaus Schwelm, das zwischen 1969 und 1972 entstand. Im engen Austausch mit einem Dortmunder Architekturbüro konzipierte Hajek eine begehbare Platzgestaltung, die Architektur, Skulptur und Farbe miteinander verbindet. Die Arbeit besteht aus massiven Beton- und Stahlelementen, die mit signalhaften Farbtönen in Enzianblau, Reinorange und Zinkgelb gefasst sind. Ihre dynamische Staffelung und geometrische Schichtung haben der Installation den Beinamen „Wogende Ähren“ eingebracht – eine poetische Metapher für Bewegung und Aufbruch.
Während manche Passant*innen die kantige Formensprache bis heute als „Panzersperren“ verspottet haben, wird der Platz aktiv genutzt: als Treffpunkt, zum Verweilen oder für sportliche Zwecke wie Skateboarding. Damit erfüllt Hajeks Installation genau jene Funktion, die er mit dem Begriff der „Stadtikonographie“ verband – eine Durchdringung des urbanen Raums mit Kunst, die im Alltag erlebbar ist und zur Auseinandersetzung einlädt.
Die kräftigen Farben der Skulptur finden sich auch im Inneren des Gebäudes wieder und setzen sich durch die Glasfassade optisch fort. Innen- und Außenraum verschmelzen auf diese Weise zu einer zusammenhängenden Gestaltung, die visuelle Orientierung bietet und dem Verwaltungsbau eine unverwechselbare Optik verleiht.
Nach über 40 Jahren und sichtbaren Alterungsspuren wurde das Werk 2013/14 grundlegend saniert. Dabei kamen exakt jene RAL-Farbtöne zum Einsatz, die Hajek einst festgelegt hatte – ein Zeichen für die hohe Wertschätzung, die sein Werk trotz (oder gerade wegen) seines polarisierenden Charakters erfährt. Bis mindestens 2075 steht das Werk unter urheberrechtlichem Schutz – als dauerhaftes Zeichen für eine baukulturelle Haltung, die Farbe bekennt.
Otto Herbert Hajek wurde 1927 in Kaltenbach (heute Nové Hutě, Tschechien) geboren. Als Heimatvertriebener legte er sein Abitur in Erlangen ab und studierte von 1947 bis 1954 Bildhauerei an der Kunstakademie Stuttgart. In den 1950er Jahren avancierte er zu einem der Hauptvertreter der informellen Plastik und erlangte erste Bekanntheit mit kleinformatigen Bronze-Raumknoten. 1964 stellte er auf der documenta III in Kassel mit seinem Werk Frankfurter Frühling die erste begehbare Skulptur vor.
In den 1970er Jahren wandte sich Hajek verstärkt dem Werkstoff Modellierbeton zu und realisierte im öffentlichen Raum zahlreiche „Stadtikonographien“, die urbane Räume als Kommunikationsorte neu denken sollten. Zwischen 1972 und 1979 war er Vorsitzender des Deutschen Künstlerbundes und setzte dabei wichtige kulturpolitische Impulse, etwa mit der Einführung der Künstlersozialkasse. 1980 wurde er zum Leiter der Bildhauerklasse an der Kunstakademie Karlsruhe berufen.
2003 initiierte er die Otto Herbert Hajek-Stiftung in Stuttgart, die seinen künstlerischen Nachlass betreut. 2005 verstarb er in Stuttgart und hinterließ ein bedeutendes Vermächtnis, das Kunst, Architektur und gesellschaftliche Diskurse nachhaltig beeinflusst hat.


