| Künstler*in | Christian Hasucha |
| Entstehungszeit | 2012–2013 |
| Material | Schablone – St37-Stahlblech, gelasert, Apfelbaum, Rasenfläche, Randpflasterung |
| Technik | verzinkt, grundiert und mit Eisenglimmerfarbe beschichtet |
| Maße | 640 x 1030 x 330 cm; Schablone: 30 cm breit, 10 cm dick |
| Verfahren | Geladener Wettbewerb, Sparda-Kunstpreis NRW |
| Adresse | Bahnhofstraße 28-30 33102 Paderborn |
| Standort | Vorplatz ehemaliges Finanzamt Route in Google Maps |
| Zugänglichkeit | durchgängig zugänglich |
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Verlässt man den Bahnhof von Paderborn, erwartet man zunächst Lärm, Verkehr und die Hektik einer Stadt, die Menschen anzieht. Und doch steht dort etwas, das diesen Rhythmus durchbricht: ein junger Apfelbaum, eingefasst von einer großformatigen Stahlkontur, die die Silhouette eines alten, ausladenden Baumes nachzeichnet. Diese einfache, fast archetypische Form trägt einen Titel, der eine kleine Prophezeiung enthält: „Später sein wird”.
Christian Hasucha realisierte die Arbeit im Jahr 2013 nach dem Gewinn des Sparda-Kunstpreises NRW. Die Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West ermöglichte das Projekt, unterstützt von Statikern, Handwerkern und Landschaftsplanern. Ursprünglich am Vorplatz des Hauptbahnhofs installiert, wurde die Arbeit im Zuge des Bahnhofsumbaus 2020 auf die gegenüberliegende Seite versetzt, wo sie nun vor dem Finanzamt weiterwächst.
Das Werk ist in seiner äußeren Form denkbar schlicht: eine stählerne Schablone, eine junge Pflanze. Und doch liegt in dieser Kombination eine stille Kraft. Die Stahlfigur zeigt nicht irgendeine Baumsilhouette, sondern die persönliche Erinnerung des Künstlers an den Apfelbaum im Garten seiner Eltern. In dieser Erinnerung verdichtet sich eine universelle Idee: das Bild eines „idealen” Baumes, wie man ihn aus Märchen oder Kindheitszeichnungen kennt.
Für Passanten, die täglich an dem Baum vorbeigehen, wird er zum stillen Begleiter. Im Frühling tragen Knospen und Blüten ein Versprechen, im Sommer wirft die Krone Schatten, im Herbst reifen die Äpfel und im Winter bleibt nur die nackte Zeichnung der Äste zurück.
Damit wird „später sein wird“ zu einem Werk über Zeit, Erinnerung und Vergänglichkeit. Es ist eine Skulptur, die mehr lebt, als dass sie sich zeigt. Hasucha nennt seine Arbeiten „Implantate“: Eingriffe in die urbane Struktur, die keine fertigen Monumente erschaffen, sondern Prozesse anstoßen. Der Apfelbaum ist hier nicht nur Natur im Stadtraum, sondern auch eine Provokation: eine Nutzpflanze an einem Ort der Durchreise, gerahmt und geschützt wie ein Kunstwerk und doch ganz alltäglich, da er Früchte tragen wird.
Die stählerne Kontur wirkt wie ein Rahmen, fast wie ein Denkmal für etwas, das erst noch kommen wird. Sie macht sichtbar, was in der Zukunft Gestalt annehmen könnte und zugleich, was im Hier und Jetzt noch fehlt.
Der 1955 geborene Künstler Christian Hasucha lebt und arbeitet in Berlin. Nach Abschluss seines Studiums der Freien Kunst an der HdK Berlin (1975–1981) und einem Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) an der Chelsea School of Art in London entwickelte er eine eigenständige Praxis im öffentlichen Raum. Zwischen 1988 und 1996 residierte er in Köln, unterbrochen von einer einjährigen Arbeitsreise durch Randgebiete Europas im Werkstattwagen. Seit dem Jahr 1981 realisiert Hasucha Installationen und Interventionen, die als "Stadtimplantate" bezeichnet werden. Diese stören bestehende Routinen, definieren Orte neu und regen Kommunikation an. Dies geschieht sowohl im urbanen als auch im ländlichen Kontext. Seine Werke wurden vielfach von Gemeinden und Kunstvereinen gefördert und an zahlreichen Orten ausgestellt. Seine Lehrtätigkeiten führten ihn an verschiedene renommierte Institutionen wie die UdK Berlin, die Chelsea School of Art London, die Kunstakademie Trondheim, die Universität Greifswald, die Universität Linz und die Universität Köln. Von 2001 bis 2003 bekleidete er die Position eines Gastprofessors an der Universität Kassel ("Ästhetik in Theorie und Praxis") sowie an der Bauhaus-Universität Weimar ("Kunst im öffentlichen Raum und neue künstlerische Strategien").



