Foto: Ben Hermanni

She sells sea-shells on the sea shore... • Hochgebäude der DFG

Eine künstlerische Collage aus Naturschaubildern diente als Grundlage für das Wandbild in einem Gebäude, das selbst eine Art architektonischer Collage ist.

1920 in Berlin gegründet, verlagerte die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ihren Sitz nach dem Zweiten Weltkrieg nach Bonn. Am Frankengraben, 1963 in Kennedyallee umbenannt, entstand ab 1953 ein erster Verwaltungsneubau nach Plänen von Sep Ruf. Aufgrund des wachsenden Raumbedarfs für die Selbstverwaltungsorganisation der Wissenschaft und Forschungsförderung in Deutschland folgten im Laufe der Jahre mehrere Erweiterungen des Baukomplexes, darunter das zwischen 1966 und 1970 errichtete siebengeschossige Hochgebäude. Von Anfang an wurden die Baumaßnahmen der DFG von Kunstprojekten begleitet. Denn die Beschäftigten, „die jeden Tag aufs Neue dazu angehalten sind, ein Verständnis für die Belange der Forschung zu entwickeln, erfahren vermittels der Kunst die Unbestimmtheit von Erkenntnis. Ohne dieses Bewusstsein von der Unwägbarkeit allen Erkenntnistreibens, mithin allen wissenschaftlichen Arbeitens kann aber auch Forschungsförderung nicht gelingen“, erklärte 2017 die damalige DFG-Generalsekretärin Dorothee Dzwonnek.

So wurde auch 2016 im Rahmen der Fassadensanierung des Hochgebäudes ein Kunst-und-Bau-Wettbewerb ausgeschrieben, um die Wandflächen des Treppenhauses zu gestalten. Unter fünf Entwürfen entschied sich die Jury für die Arbeit „She sells sea shells on the sea-shore…“ von Frauke Dannert. Ihre Wandmalerei reicht über alle sieben Etagen – konzipiert als ein in sich geschlossenes Bild, das die Unterbrechungen durch die Geschossdecken ignoriert. Für den Betrachter im Inneren des Gebäudes ist jedoch immer nur ein Teil, nie das Ganze wahrnehmbar. Für Frauke Dannert ist ihre Arbeit der Versuch, eine Klammer zu schaffen, „die Stockwerke zusammenzufügen über ein durchgehendes abstraktes Bild mit großen, starken Formen, wo einzelne Fragmente durch die Ebenen laufen. Oder vorgeben, dies zu tun.“

Auf einheitlich beigefarbenem Grund verteilen sich die unregelmäßigen Formen in Grün, Rot, Blau und Gelb. Die amorphen Gebilde in warmen Farben bilden einen Kontrast zur Architektur des Treppenhauses, in dem klare Linien, rechte Winkel sowie Weiß und dunkle Grautöne dominieren. Die Farben der Wandmalerei nahm Dannert auch bei den der Stirnwand gegenüberliegenden Stützen auf, die in jedem Geschoss in einem anderen Ton gestrichen wurden und so ein Orientierungssystem bilden.

Grundlage für die Arbeit waren Bilder von Muscheln und Seeschnecken, die Frauke Dannert zerschnitten und als Collage neu zusammengesetzt hat. Diese Technik, mit der die Künstlerin häufig arbeitet, passte für sie besonders gut in den DFG-Bau, „weil das Gebäude mit seinen unterschiedlichen Bauphasen auf mich wie eine große Collage wirkt, in der verschiedene Materialien und Stile zusammenkommen.“ Als Inspiration dienten vor allem die Schautafeln des Naturhistorikers Filippo Bonanni aus dem 17. Jahrhundert, die zu den ersten systematischen Darstellungen von Muscheln und Seeschnecken zählen. Damit schlägt Frauke Dannert auch die Brücke zum Thema Forschung, das im DFG-Gebäude allgegenwärtig ist. Die Motive sind jedoch so stark verfremdet, dass sie die Neugier und Fantasie der Beschäftigten und Besucher des Hauses anregen. Der englische Zungenbrecher, den die Künstlerin als Titel wählte, nimmt wiederum spielerisch Bezug auf das Prinzip von Versuch und Scheitern in der Wissenschaft, auf das mehrfache Neuansetzen, solange bis sich Erfolg einstellt.

Vita

Frauke Dannert, geboren 1979 in Herdecke, lebt und arbeitet in Köln. Sie studierte von 2001 bis 2004 an der Kunstakademie Münster und anschließend bis 2010 an der Kunstakademie Düsseldorf. 2011 legte sie ihren Master of Fine Arts am Goldsmiths College in London ab. Sie gewann unter anderem den Brachum Kunstpreis und ein Stipendium der Stiftung Kunstfonds Bonn und war Artist-in-Residence in Schloss Ringenberg, Basel und Stockholm. Neben der Fotografie ist eines ihrer zentralen künstlerischen Medien die Papiercollage, deren Prinzipien sie auch in Wandmalerei und Rauminstallationen überträgt.

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