Foto: Carsten Gliese

Modell Wuppertal • Gebäude K, Bergische Universität Wuppertal

Reale und virtuelle Architektur überlagern sich in der Installation von Carsten Gliese. Die neuen räumlichen Konstrukte fordern die Sehgewohnheiten der Betrachtenden heraus.

Dass das Gebäude K auf dem Campus Grifflenberg einmal eine Maschinenhalle gewesen ist, lässt sich heute kaum noch erkennen. Dach und Fassade wurden komplett erneuert, im Inneren entstanden zwei Hörsäle und acht Seminarräume, die allen Fachbereichen zur Verfügung stehen. Die verwendeten Materialien erinnern noch an die ehemalige Nutzung der Halle: Streckmetall an der Fassade, mit Eisenglimmer beschichtete Stahltreppen und Estrich aus geschliffenem Gussasphalt rekurrieren auf die industrielle Vergangenheit. Vor dem Gebäude verläuft der Erschließungsweg für Fußgänger, der beidseitig als Rampe zum tiefer liegenden Straßenniveau abfällt. Ein zentrales Eingangsbauwerk durchbricht den stark abschüssigen Hang und gewährt auf beiden Ebenen den Zutritt zum Gebäude. Zugleich markiert der vorgelagerte, verglaste Quader die Mitte des 130 Meter langen Baukörpers und setzt eine deutliche Zäsur in der Fassade.

Den Bereich des Haupteingangs auch künstlerisch aufzuwerten, war die Aufgabe der sechs zum Wettbewerb geladenen Teilnehmer, von denen sich Carsten Gliese durchsetzte. Für die Realisierung standen 75.000 Euro aus dem Kunst-und-Bau-Programm des Landes Nordrhein-Westfalen zur Verfügung. Carsten Gliese entwarf einen „virtuellen Baukörper“, der sich in den realen einpasst und ihn gleichzeitig erweitert. Ein großformatiges Schwarzweiß-Bild ist, alle Geschosse übergreifend, auf der Innenseite des Glasbaus angebracht. Auf 17,5 mal 12 Metern zeigt es Modellansichten von Treppen, die sich übereinandertürmen. Lücken in der bedruckten Folie gewähren aber auch Durchblicke auf die vorhandene Architektur des Treppenhauses, die sich mit der abgebildeten zu einem neuen Bauwerk zu verbinden scheint. Je nach Perspektive nimmt der Betrachter neue räumliche Konstrukte wahr, die Grenzen zwischen Bild und Realität verschwimmen. Das Kunstwerk irritiert und fordert die Sehgewohnheiten heraus. „Diese modellhafte Neuorganisation der Architektur ist der Versuch der Hochschule – einem spezifischen Ort der gedanklichen Auseinandersetzung, des Experimentes, der Modellbildung – ein adäquates Bild zu geben“, beschreibt Carsten Gliese seine Intention. Der Künstler spielt mit der Funktion des Treppenhauses, ohne sie einzuschränken. Er verändert den Eindruck des Raums, ohne in diesen tatsächlich einzugreifen. Sein „Modell Wuppertal“ ergänzt den markanten und weithin sichtbaren Eingangsbau um eine zusätzliche Bedeutungsebene.

Vita

Carsten Gliese, geboren 1965 in Krefeld, lebt und arbeitet in Köln. Sein Studium der Freien Kunst an der Kunstakademie Münster schloss er 1995 als Meisterschüler ab. Nach verschiedenen Lehrtätigkeiten erhielt er 2014 eine Professur für Fotografie und Medien an der Hochschule der bildenden Künste Essen. Er wurde unter anderem mit dem Kulturförderstipendium der westfälischen Wirtschaft, dem Förderpreis der Stiftung Kunst und Kultur der Stadt Magdeburg, dem Karl-Ernst-Osthaus-Preis der Stadt Hagen und dem Leo Breuer-Preis ausgezeichnet. Seine fotografischen Arbeiten, mit denen er virtuelle Räume erzeugt, stehen oft in engem Bezug zum architektonischen Kontext.

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