Modell Fliednerstraße

Institut für Psychologie/ Institut für Sportwissenschaften, Münster

Ein Wandbild als architektonisches Echo – Glieses Modelle übersetzen Vergangenheit in räumliche Skizzen voller Licht, Fläche und Erinnerung.

Kunst
Künstler*inCarsten Gliese
Entstehungszeit2020–2021
MaterialVliespapier
TechnikDigitaldruck
MaßeInsgesamt: 2440 x 295 cm
Kostengefördert durch die Universitätsgesellschaft Münster e.V.
Bau
AdresseFliednerstraße 21
48149 Münster
Sanierung2017–2021 BLB NRW Münster
BauherrBLB NRW Münster, WWU
StandortFoyer des Instituts für Psychologie
Route in Google Maps
Karte
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Verschachtelte Räume

Mit dem großformatigen Wandbild Modell Fliednerstraße reagiert der Künstler Carsten Gliese sensibel auf die architektonische Geschichte und Umgestaltung des Universitätsgebäudes an der Fliednerstraße 21 in Münster. Der Bau, ursprünglich 1971 als Pädagogische Hochschule eröffnet, wurde in den 1980er-Jahren stark umgebaut und 2017 erneut saniert. Glieses Arbeit im Foyer des heutigen Instituts für Psychologie knüpft formal und atmosphärisch an diese Schichten der Architektur an – ohne sie zu rekonstruieren.

Das Wandbild erstreckt sich über vier Nischen, die durch das Tragwerk der Wand vorgegeben sind. Jede dieser Nischen zeigt ein eigenständiges Motiv, das auf einem mehrstufigen Prozess basiert: Gliese fotografierte architektonisch markante Orte innerhalb des brutalistischen Gebäudes und zerlegte die Aufnahmen in ihre Binnenformen – Lichtverläufe, Schattenzonen, Farbflächen. Diese abstrahierten Bildteile übertrug er auf Graupappe, schnitt sie aus und arrangierte sie zu modellartigen Reliefs mit räumlicher Tiefe. Anschließend fotografierte er die etwa 40 cm breiten Pappmodelle erneut – die entstandenen Aufnahmen wurden stark vergrößert, digital gedruckt und auf Vliestapete aufgebracht.

Durch die starke Vergrößerung wird die Materialität der Objekte spürbar: Man erkennt Schnittkanten, Unebenheiten, Schichten. Die Skizzenhaftigkeit bleibt erhalten und zugleich entfaltet sich eine eigenständige, fast abstrakte Bildsprache. Zwischen Architektur, Modellbau, Fotografie und Wandmalerei entsteht ein Werk, das nicht illusionistisch wirkt, sondern interpretierend – ein visuelles Nachdenken über Raum, Form und Geschichte.

Gliese versteht Modell Fliednerstraße nicht als Rückblick, sondern als konstruktive Erinnerung. Seine Arbeit bietet eine Verbindung von Bestehendem und Gedachtem – ein Modell, das sowohl auf Vergangenes verweist als auch neue architektonische Möglichkeiten imaginiert. Der ehemals überformte Wandbereich wird so zu einer Fläche der ästhetischen Reflexion: über Architektur im Wandel, über Wahrnehmung und über die Rolle der Kunst im Raum.

Galerie
Vita

Carsten Gliese, geboren 1965 in Krefeld, lebt und arbeitet in Köln. Sein Studium der Freien Kunst an der Kunstakademie Münster schloss er 1995 als Meisterschüler ab. Nach verschiedenen Lehrtätigkeiten erhielt er 2014 eine Professur für Fotografie und Medien an der Hochschule der bildenden Künste Essen. Er wurde unter anderem mit dem Kulturförderstipendium der westfälischen Wirtschaft, dem Förderpreis der Stiftung Kunst und Kultur der Stadt Magdeburg, dem Karl-Ernst-Osthaus-Preis der Stadt Hagen und dem Leo Breuer-Preis ausgezeichnet. Seine fotografischen Arbeiten, mit denen er virtuelle Räume erzeugt, stehen oft in engem Bezug zum architektonischen Kontext.

Weitere Informationen
LinksWebsite Carsten Gliese
Carsten Gliese - Modell Fliednerstraße
Carsten Gliese - Vita
QuellenMagazin „Unikunstkultur“ der Universität Münster, Wintersemester 2021/22, S.22 - 25