© VG Bild-Kunst Bonn 2020, Foto: Stefan Lachmann

Freistoß - Ein Fußball als Garten • Justizvollzugsanstalt Bochum

Im Rahmen eines partizipativen Kunst-und-Bau-Projektes schuf Ulrike Holthöfer gemeinsam mit Inhaftierten einen Nutzgarten in Form eines riesigen Fußballs.

Eines der ältesten Gefängnisse Nordrhein-Westfalens befindet sich in Bochum. Die 1897 errichteten Ursprungsgebäude stehen unter Denkmalschutz und wurden im Laufe der Zeit immer wieder modernisiert und erweitert. Seit 2010 ergänzt ein vierter Flügel das strahlenförmig angelegte Hafthaus 1 der Bochumer Justizvollzugsanstalt. Im Erdgeschoss des Stahlbetonbaus liegen Räume für die medizinische Versorgung, in den drei Obergeschossen befinden sich jeweils 34 Haftplätze.

Mit der Gestaltung der Freifläche zwischen dem neuen D-Flügel und dem Bestandsbau beauftragte das Kulturministerium die Künstlerin Ulrike Holthöfer. Für die Ideenentwicklung und deren Realisierung wurden Mittel in Höhe von rund 16.000 Euro zur Verfügung gestellt. Schon bei der ersten Begehung stand für die Künstlerin fest, dass ihr Projekt „Freude, Schönheit und Sensibilität an diesen Ort bringen“ sollte. Und Freude, so erfuhr sie von der Anstaltsleitung, bereite den Häftlingen vor allem der Fußballsport. Für den Freiganghof der Haftanstalt, die in direkter Nachbarschaft zum  Ruhrstadion liegt, entwarf sie daher einen Nutzgarten in Form eines überdimensionalen Fußballs. Die kreisrunde Fläche mit zehn Metern Durchmesser ist aufgeteilt in fünf- und sechseckige ummauerte Waben, die mit Gemüse, Salat und Kräutern bepflanzt wurden. Von den Zellenfenstern aus ist der Ball als Ganzes zu erkennen, beim Hofgang entdeckt man die vielfältige Bepflanzung.

Die Identifikation der Inhaftierten mit dem Werk ist für Ulrike  Holthöfer von zentraler Bedeutung. Deshalb setzte sie bei der Realisierung des Objekts auf einen partizipativen Ansatz. Sie beteiligte die Häftlinge an der Anlage des Gartens und leitete die Erstbepflanzung an, „um die beabsichtigte Nutzung, Ästhetik und Pflege sichtbar und erfahrbar zu machen“. Damit sollten die Gefangenen motiviert werden, dauerhaft Verantwortung für ihren Garten zu übernehmen. Holthöfer versteht ihr Projekt auch als Modell für andere Orte: „Durch das ökologische Nutzgärtnern wird der Fußball zum Spielfeld und Indikator für eine humanere Art und Weise des Umgangs mit der Natur und der Identifikation mit dem selbst Geschaffenen. Hier darf exemplarisch Beteiligung stattfinden und bewusst gestaltet werden.“

Vita

Ulrike Holthöfer, geboren 1959 in Herzebrock, lebt und arbeitet in Meerbusch. Nach einer Ausbildung an der Holzbildhauerschule in Bischofsheim an der Rhön studierte sie Freie Kunst an der Gesamthochschule Kassel bei Harry Kramer und an der Kunstakademie Düsseldorf bei Klaus Rinke. In ihren künstlerischen, oft partizipativen Projekten setzt sie sich mit ökologischen und sozialen Fragestellungen auseinander. Dafür erhielt sie unter anderem den Kunstpreis Ökologie, den Umweltpreis der Stadt Düsseldorf und ein Stipendium der Stiftung Kunst und Kultur des Landes Nordrhein-Westfalen für „Urbanes Recyceln“. In Meerbusch-Lörick baute Ulrike Holthöfer das denkmalgeschützte historische Klärwerk zu einem Wohnatelier und Ausstellungsort um.

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