© VG Bild-Kunst Bonn 2020, Foto: Rainer Eisch

Eugène_01 • Rathaus Ratingen

Die Wandskulptur im Ratinger Rathaus markiert eine Schnittstelle zwischen Alt und Neu, zwischen der mittelalterlichen Wehranlage, dem brutalistischen Ratssaal und dem 2020 fertiggestellten Neubau.

Am Rathaus der Stadt Ratingen treffen bauliche Zeugnisse des Mittelalters auf moderne Architektur. Bereits Ekkehard Jatzlau von Lennep und Jörg Schuler, die das 1969 bis 1972 gebaute Rathaus entwarfen, integrierten den historischen Bestand in ihre Planungen. Über den Resten der Stadtmauer aus dem 15. Jahrhundert erhob sich das Verwaltungsgebäude mit seiner skulpturalen Betonfassade wie ein Bergfried. Bei seiner Eröffnung noch als „größtes kommunales Bauwerk der Nachkriegszeit“ gefeiert, bestand dreißig Jahre später akuter Erneuerungsbedarf. Die Frage nach Abriss oder Sanierung wurde sowohl im Rat als auch in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert. Schließlich fiel die Entscheidung auf einen Kompromiss: Der Westflügel mit dem charakteristischen polygonalen Ratssaal blieb erhalten, der siebengeschossige Verwaltungstrakt und der Ostflügel wurden zugunsten eines Neubaus abgerissen. Die Sanierung des Bestands und die Planung des neuen Gebäudeteils erfolgten durch PASD Architekten. 2019 eröffnete das neue Ratinger Rathaus, das wie der ursprüngliche Bau U-förmig einen öffentlichen Platz mit einer Brunnenskulptur des Ratinger Bildhauers Friedel Lepper aus dem Jahr 1975 einfasst.

Foto: Kunstdokumentation Marcus Schwier
Foto: Kunstdokumentation Marcus Schwier

Im Norden und Osten stehen die vier- bzw. dreigeschossigen Neubauten mit hellen Natursteinfassaden, in denen Büros für 200 städtische Mitarbeiter*innen untergebracht sind. Außerdem befinden sich dort die Tourist-Information und eine Kantine, die sich zum Platz hin öffnet und auch für Externe zugänglich ist. Der kernsanierte Westflügel umfasst den Ratssaal, Konferenzräume im Obergeschoss und die Bürgerberatung im Erdgeschoss. Diesem Trakt wurde eine zweigeschossige Glashalle vorgelagert, die räumlich und gestalterisch zwischen Bestand und Neubau vermittelt.

Für die künstlerische Gestaltung dieses neu entstandenen Eingangsbereichs mit Treppenhaus zum Ratssaal schrieb die Stadt Ratingen einen zweistufigen Wettbewerb aus. „Die Kunst am Bau soll die Bedeutung und Funktion des Rathauses als Sitz des Rats der Stadt und der Verwaltung unterstreichen und die Identifikation der Bürger mit ihrem Rathaus stärken“, so der Auslobungstext. Rainer Eisch, der sich in der zweiten Stufe gegen neun Mitbewerber*innen durchsetzen konnte, schuf eine Wandskulptur, die die Schnittstelle zwischen Alt und Neu markiert. Sie setzt sich aus acht plastischen Metallformen zusammen. Einer der Körper ist aus Kupfer. Seine matte Oberfläche ist unbehandelt und soll sich im Laufe der Zeit farblich verändern. Die übrigen Elemente bestehen aus spiegelpoliertem Edelstahl.

© VG Bild-Kunst Bonn 2020, Foto: Rainer Eisch
© VG Bild-Kunst Bonn 2020, Foto: Rainer Eisch

Der Titel der Arbeit „Eugène_01“ verweist auf den belgischen Mathematiker Eugène Charles Catalan. „Die einzelnen Körper der Skulptur sind angeschnittene Catalanische Körper (dual-archimedische Körper)“, erklärt Rainer Eisch. „Catalans mathematische Forschung Mitte des 19. Jahrhunderts kann als einer der Bausteine zu unserer heutigen computergestützten Visualisierung gesehen werden.“ Damit knüpft Rainer Eisch auch an seine bisherigen künstlerischen Projekte im Bereich Fotografie und Video an, für die er mit 3D-Programmen arbeitete.

Bei der Konzeption der Installation hatte der Künstler auch die wechselnden Lichtverhältnisse in dem verglasten Raum vor Augen: „Die Anordnung der verschiedenen Körper auf der Wand lädt die Besucher*innen ein, sich im Raum zu bewegen. Die unterschiedlichsten Facettierungen der Körper lassen je nach Standort andere Spiegelungen zu und je nach Lichtsituation wird sich die Arbeit immer neu erschließen.“

Vita

Rainer Eisch, geboren 1967 in Thun, Schweiz, lebt und arbeitet in Düsseldorf. Er studierte von 1993 bis 1999 bei Christian Megert an der Kunstakademie Düsseldorf und absolvierte von 2002 bis 2004 ein postgraduales Studium an der Kunsthochschule für Medien Köln. Er erhielt Preise und Stipendien unter anderem von der Aeschlimann Corti Stiftung, der Filmstiftung NRW und der Stiftung Kunstfonds Bonn. Rainer Eisch nutzt 3D-Programme, um Formen und Strukturen zu analysieren und zu neuen Bildern und Installationen zusammenzusetzen.

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