Foto: Markus Linnenbrink

DIEDRITTEDIMENSION • Justizvollzugsanstalt Düsseldorf

Farbige Streifen an Wänden, Boden und Decke begleiten die Besucher auf dem Weg durch den Tunnel der JVA. Mit jedem Schritt entsteht ein neues Bild.

In Ratingen, unmittelbar an der Stadtgrenze zu Düsseldorf, liegt der Neubau der Justizvollzugsanstalt, die seit 2012 die drei vormaligen kleineren und älteren in Duisburg, Oberhausen und Düsseldorf gelegenen Anstalten ersetzt. 855 Häftlinge können in dem vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW realisierten Gebäudekomplex untergebracht werden. Dazu gehören auch ein Freizeitzentrum mit einem Veranstaltungsraum für kulturelle Veranstaltungen, einer Kapelle und einem „multireligiösen Raum“ sowie ein Kunstrasenplatz. Die angeschlossene Werkstatt bietet Arbeits- und Qualifizierungsmöglichkeiten für die Insassen.

Wer vom Eingang in den Besucherbereich gelangen möchte, muss einen unterirdischen Gang durchqueren, den der Künstler Markus Linnenbrink im Rahmen eines Kunst-und-Bau-Wettbewerbs gestaltet hat. So entstand mit Mitteln in Höhe von 65.000 Euro eine besondere Zugangs- und Exit-Situation in einer Justizvollzugsanstalt. Wände, Boden und Decke des 40 Meter langen Tunnels sind partiell mit Streifen in leuchtend bunten Farben bemalt. Auf der linken Seite des Eingangs beginnen sie in Bodennähe als schmale Bänder, die im weiteren Verlauf immer breiter werden, bis sie am anderen Ende des Tunnels nahezu die gesamte Fläche einnehmen und einen dreidimensionalen farbigen Raum bilden. Auf dem Rückweg folgt dem Besucher ein Streifenbündel, das von der oberen rechten Ecke ausgehend zum Eingang ausstrahlt.

Markus Linnenbrink interpretiert und konterkariert die klaustrophobische Atmosphäre des Besuchergangs: „Die Streifen begleiten den/die Betrachter/in, der/die sich durch den Tunnel bewegt vom Anfang bis zum Ende und zurück. Sie erschaffen eine farbige Bewegung, parallel zu der stattfindenden, dem Durchschreiten des Tunnels. So entsteht mit jedem Schritt durch den Tunnel ein Schritt in ein anderes, den/die Besucher/in umgebendes Bild.“ Die Funktion des Tunnels wird durch die Malerei betont: Er dient allein der Bewegung in die eine oder andere Richtung, ein Aufenthalt ist hier nicht vorgesehen. Damit regt der Künstler außerdem dazu an, über die Rolle der Justizvollzugsanstalt als Institution nachzudenken: „Sie hat die Aufgabe, eine Perspektive zu schaffen für die Insassen während ihrer Zeit dort, sowie die Möglichkeit, eine Perspektive zu erstellen für die Zeit danach.“

Die leuchtenden Farben der Streifen sind nicht sauber voneinander getrennt, sondern laufen ineinander, tropfen auf die weißen Flächen und den Boden. Die meisten der Strahlen ändern zudem in ihrem Verlauf die Farbe. So wird der horizontale Zug unterbrochen und zugleich eine stärkere Verbindung der Bahnen erzeugt. Markus Linnenbrink beschreibt diese visuelle Verschränkung als Kommunikation zwischen Farben, die Nachbarschaften bilden und in Dialog treten. Das Bewegungsmotiv des Kunstwerks steht für ihn sinnbildlich für die konstante Verwandlung in allen Lebensbereichen.

Vita

Markus Linnenbrink, geboren 1961 in Dortmund, lebt und arbeitet in Brooklyn, New York. Er studierte von 1982 bis 1985 Malerei an der Gesamthochschule Kassel. Anschließend wechselte er an die Hochschule der Künste Berlin, die er 1988 als Meisterschüler von Raimund Girke abschloss. Bekannt ist Markus Linnenbrink vor allem für seine Installationen, Skulpturen und Gemälde, bei denen er dicke Farbschichten in intensiven Farben aufträgt. Neben Leinwand nutzt er auch große Wandflächen als Malgrund, etwa für seine fast 5000 Quadratmeter große Arbeit „BIENVENUDAAMIDISCO“, die er 2016 an der Fassade des SLS Hotels in Miami, Florida, anbrachte.

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