Foto: Nicole Schuck

Bewohnen • GEO 1, Westfälische Wilhelms-Universität

Eine Verbindung zwischen Kunst und Architektur, zwischen Natur und gebautem Raum schafft die Künstlerin Nicole Schuck mit ihrer Zeichnung „Bewohnen“ im Gebäude GEO 1 der Universität Münster.

Der 2013 fertiggestellte kubische Neubau GEO 1 für den Fachbereich Geowissenschaften der Universität Münster nimmt Seminarräume, Labore, einen Hörsaal und eine Bibliothek auf. In der horizontal gegliederten Fassade setzen grüne Elemente besondere Akzente, im Inneren wird die Farbe an den Wänden der Erschließungszonen aufgenommen. Die Räume gruppieren sich um zentrale Atrien, die von oben natürlich belichtet werden. Die offene Grundrissgestaltung ermöglicht vielfältige Blickbeziehungen.

GEO 1 zeichnet sich besonders durch Energieeffizienz und Ressourcenschonung aus, sowohl beim Bau als auch im Betrieb. Das Gebäude gilt als vorbildlich in den Bereichen Klimaschutz und Nachhaltigkeit – Themen, die auch im Werk von Nicole Schuck eine entscheidende Rolle spielen. Die Künstlerin wurde im Rahmen eines Kunst-und-Bau-Wettbewerbs ausgewählt, eine Wandfläche im Atrium zu gestalten.

Die aus zwei Teilen bestehende naturalistische Zeichnung zeigt eine überdimensionale Bekassine, eine Schnepfenart, die aufgrund von Lebensraumverlusten in der Region fast ausgestorben ist. Im unteren Bereich der Wand ist auf 8 mal 6 Metern der Körper des Vogels zu sehen, in der oberen rechten Ecke der auf 2 mal 2 Meter vergrößerte Kopf. Die von Hand aufgebrachten Grafitstriche bilden auch feinste Details ab und die Haptik des Gefieders scheint fast sinnlich wahrnehmbar. Gleichzeitig ist der Körper fragmentiert: Auf den zweiten Blick wird deutlich, dass ihn ein Netz aus den Münsteraner Hauptverkehrsstraßen überzieht – ein Sinnbild für die Überlagerung natürlicher Lebensräume durch die von Menschen gestaltete Umwelt. Auch der Untertitel des Werks „Zeittiere und 910 Einwohner je km²“ stellt mit seinem Verweis auf die Einwohnerdichte Münsters einen Bezug zwischen beiden Lebenswelten her.

„Bewohnen“ ist Teil einer Serie von Projekten mit dem Titel „Zeittiere und …“, bei denen Nicole Schuck vor der späteren künstlerischen Arbeit Informationen zum Lebensraum von Tier und Mensch zusammenträgt, Ortsbegehungen durchführt und sich von Fachleuten beraten lässt. Auch dem Entwurf in Münster ging ein Austausch mit den lokalen Akteuren von NABU und BUND, der Biologischen Station Kreis Steinfurt und Ornithologen voraus. Auf diese Weise gewinnt die Künstlerin „ein erweitertes Verständnis der Fauna und des gemeinsamen Lebensraumes, welches eine neue Ebene in den Zeichnungen und Installationen erwachsen lässt und sie in eine eigene Form transformiert“. Als Resultat entstehen Tierzeichnungen, überlagert von kartografischen Elementen. „Fremdartige und topographische Elemente verdichten sich in der Physiognomie des Tieres. Linien wachsen aus Tierfellen, werden zu neuen Organismen und Formationen. Das Weiß des Zeichengrundes, die unbezeichnete Fläche, ist ebenso wichtiger Bestandteil der Zeichnung wie die gezeichneten Elemente selbst.“, so Nicole Schuck. Die Bilder thematisieren die oft schwierige Beziehung zwischen Natur und Mensch, Landschaft und Stadt – und greifen damit Fragestellungen auf, die auch Gegenstand von Forschung und Lehre im GEO 1 sind.

Vita

Nicole Schuck, geboren in Herford, lebt und arbeitet in Berlin. Nachdem sie 1996 an der Fachhochschule Bielefeld bei Jochen Geilen ihr Diplom im Fach Visuelle Kommunikation und Grafikdesign mit dem Schwerpunkt Zeichnung abgelegte hatte, schloss Nicole Schuck 1999 bis 2002 ein Studium an der Hochschule der Künste Berlin in den Fächern Kunstgeschichte, Kunstwissenschaften, Ästhetik und Philosophie an. Zeitgleich studierte sie an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig Freie Kunst – von 2003 bis 2004 als Meisterschülerin von John Armleder. Stipendien führten sie unter anderem nach Island, Russland, Israel und in die Schweiz. Nicole Schuck setzt sich in ihrer künstlerischen Arbeit intensiv mit der Beziehung zwischen natürlichen und urbanen Lebensräumen auseinander und thematisiert Fragen des Umwelt- und Tierschutzes.

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