Ohne Titel (Betonkern-Verkleidung NB Nord)

NB-Gebäude der Ruhr-Universität

Die unterschiedliche Gestaltung der Betonkerne gibt jedem Gebäude der naturwissenschaftlichen Fakultät eine eigene Signatur.

Kunst
Künstler*inAd Dekkers
Entstehungszeit1972–1978
MaterialDrahtputz
Maße3,6 x 8,75 x 7,6 m
VerfahrenDirektauftrag
Bau
AdresseUniversitätsstraße 150
44801 Bochum
Bauzeit1965–1969
Architekt*innenEller Moser Walter
BauherrStaatshochbauamt für die Universität Bochum
StandortNordseite des Gebäudes, Ebene 02
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Auf dem Feld der Naturwissenschaften

Ein Achsenkreuz, bestehend aus einer von Grünflächen durchzogenen West-Ost-Achse und einer mit den zentrale Einrichtungen bebauten Nord-Süd-Achse, teilt das 400 x 900 Meter große Universitätsgelände in vier annähernd gleich große rechteckige Felder. In diesen sind die Institutsgebäude der einzelnen Fachrichtungen angeordnet, die in modularer Stahlskelettbauweise errichtet wurden. Die Fassaden der langgestreckten Riegelbauten sind durch umlaufende Betonbrüstungen horizontal gegliedert. Auf den ersten Blick ähnlich unterscheiden sie sich in Details wie der inneren Grundrissgestaltung, der Stärke der Brüstungen und den Fassadenfarben, die die einzelnen Fachbereiche kennzeichnen. Die Grundrisse organisieren sich jeweils um zwei Ortbetonkerne im Norden und Süden, die Treppenanlagen, Aufzüge und Technikschächte aufnehmen.

Im Süd-Osten des Campus reihen sich die Bauten für die Naturwissenschaften auf, die 1965–1969 nach Entwurf von Eller Moser und Walter entstanden. Die Sockelzone unterhalb der auskragenden Obergeschosse, ist bei diesen Bauten im Norden eingeschossig, im Süden durch die Hanglage zweigeschossig, was zu einem gänzlich unterschiedlich Raumeindruck der Eingangssituationen führt – eher gedrungen im Norden, großzügiger im Süden.

Kunst für die Kerne

Anders als bei den übrigen Institutsbauten entschied sich die Gutachterkommission für die künstlerische Ausgestaltung der Ruhr-Universität bei der N-Reihe für eine Gestaltung die Versorgungskerne. Acht Künstler wurden 1970 eingeladen Entwürfe einzureichen: Jos Manders, Karl Gerstner, Friedrich Gräsel, Hermann Göpfert, Franz R. Knubel, Günter Uecker, Günter Fruhtrunk und Herbert Otto Hajek, der seine Teilnahme am Wettbewerb absagte. Von den verbleibenden überzeugte lediglich Jos Manders die Kommission. Sein Entwurf wurde an der Nordseite des Gebäudes NC realisiert. Für die anderen Bauten wurden nach Vorschlägen der Architekten und des Staatshochbauamts neue Entwürfe eingeholt, die 1972 in der Beauftragung von Erwin Heerich und Ad Dekkers resultierten, die jeweils drei Kerne gestalteten. Am Gebäude NA wurde nur eine Arbeit ausgeführt, eine Edelstahlummantelung von Erwin Heerich auf der Nordseite, die mit dem bis 2023 laufenden Abriss des Gebäudes aufgrund von Schadstoffbelastungen verloren gehen wird.

Plastische Flächen

Die drei Arbeiten von Ad Dekkers befinden sich auf der Nord- und der Südseite von Gebäude NB sowie der Südseite von ND. Die Ummantelung ist als Drahtputzkonstruktion ausgeführt, erzeugt aber den Eindruck einer Betonvorsatzschale und greift damit optisch das vorherrschende Material der Architektur auf.

Dekkers dekonstruierte die Wandflächen, schnitt sie horizontal und diagonal in mehrere Teile, die gegeneinander verschoben wurden und in unterschiedlicher Tiefe hervortreten, so dass ein Relief entsteht. Mit wechselndem Lichteinfall ändert sich die räumliche Wirkung.

Wie auch bei den Arbeiten von Heerich und Manders ist die Integration der Werke von Dekkers in die Architektur so eng, dass sie vielfach gar nicht als Kunstwerke wahrgenommen und wertgeschätzt werden, sondern zum Beispiel regelmäßig mit Plakaten beklebt werden.

Vita

Adriaan (Ad) Dekkers, geboren 1938 in Nieuwpoort (NL), lebte und arbeitete nach seinem Studium an der Rotterdamer Kunstakademie in Gorinchem, wo er 1974 im Alter von 35 Jahren starb. Beeinflusst von De Stijl und Bauhaus schuf er abstrakte Skulpturen und Reliefs, für die er geometrische Formen dekonstruierte. Er war unter anderem 1967 auf der Expo in Montreal und der Biennale von São Paulo sowie bei der 4. documenta 1968 vertreten.

Weitere Informationen
QuellenApfelbaum, Alexandra: Der Kern der Kunst. In: Rubens Nr. 132, 1. April 2009
Heindl, Nina; Hoppe-Sailer, Richard; Mastnak-Walisko, Timmy (Hrsg.): Für den Campus konzipiert. Die Kunst am Bau der Ruhr-Universität. Bochum, 2015, S. 10–11
Hoppe-Sailer, Richard; Jöchner, Cornelia; Schmitz, Frank (Hrsg.): Ruhr-Universität Bochum. Architekturvision der Nachkriegsmoderne. Berlin, 2015
Jöchner, Cornelia (Hrsg.): RUB: brutal schön? Bochum, 2020