65.000

Bildungszentrum „Erich Klausener“ der Polizei NRW, Schloß Holte-Stukenbrock

Zahl, Stahl, Boden – Lechners Werk spricht für 65.000 Schicksale.

Kunst
Künstler*inAlf Lechner
Entstehungszeit1993–1994
MaterialStahl
TechnikFundamentlos, Verschweißt
Maße2 Meter hoch, 2,5 Meter im Durchmesser; 65000 Kilo schwer
VerfahrenUnbekannt
Bau
AdresseLippstädter Weg 26
33758 Schloß Holte-Stukenbrock
BauherrStaatliches Bauamt Bielefeld
StandortWiese hinter der Gedenkstätte Stalag 326 (VI K), Senne
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Karte
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Ein Mal für die Male – Alf Lechners Werk gedenkt den 65.000 verstorbenen.

„Es ist ein belastendes Stück Geschichte, das mit einem belastenden Stück Kunst in Erinnerung gerufen werden soll. (…). Es soll kein Denkmal, kein Mahnmal sein. Es soll ein Mal sein für die Male, Wunden und Narben, die Menschen zugefügt worden sind“ - Alf Lechner

Mit 65.000 schuf Alf Lechner ein stilles, kraftvolles Kunstwerk, das an die Geschichte des ehemaligen Stammlagers 326 VI K in Schloß Holte-Stukenbrock erinnert. Auf dem Gelände, wo sich heute das Bildungszentrum „Erich Klausener“ der Polizei NRW befindet, starben während des Zweiten Weltkriegs über 65.000 sowjetische Kriegsgefangene – die meisten von ihnen namenlos.

Die Skulptur, ein tonnenschwerer Zylinder aus grauem Stahl, misst zwei Meter in der Höhe und zwei ein-halb Meter im Durchmesser. Entstanden im Jahr 1994, als das Gelände baulich erweitert und die historischen Relikte unter Schutz gestellt wurden, macht die eingravierte Zahl „65.000“ das Schicksal der Opfer greifbar, ohne sie individuell benennen zu können. Der Koloss ruht ohne Fundament auf dem sandigen Boden und wird nach und nach in der Erde versinken – als stilles Sinnbild für die vielen, die hier ihre letzte Ruhestätte fanden.

Bis heute ist Lechners Stahlskulptur Teil des Geländes – ein Mahnmal ohne Pathos, das sich der Vergänglichkeit stellt und zugleich ein dauerhaftes Erinnerungszeichen bleibt. Sein reduzierter, klarer Stil verleiht der schweren Geschichte eine Form, die auch künftige Generationen an die verborgenen Spuren im Boden erinnert.

Galerie
Vita

Alf Lechner, geboren am 17. April 1925 in München und 2017 in Obereichstätt verstorben.

Nach einer Ausbildung in Malerei, Philosophie und Metallverarbeitung gründete er zunächst ein eigenes Unternehmen, bevor er sich ab den 1960er-Jahren ganz der Kunst widmete.

Seine großformatigen Skulpturen aus Stahl, die durch strenge Geometrie, Präzision und Reduktion geprägt sind, machten ihn international bekannt. Lechners Werke wurden in allen großen deutschen Museen für zeitgenössische Kunst gezeigt – darunter die Neue Nationalgalerie Berlin, das Lenbachhaus München und die Staatsgalerie Wien.

1999 gründete er die Alf Lechner Stiftung, 2000 eröffnete das Alf Lechner Museum in Ingolstadt. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u. a. das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.

Weitere Informationen
LinksWestfalen-Blatt - Man wird ein bisschen demütig
Westfalen-Blatt - Geld für Gedenkstätten
Festschrift - Stalag 326
TH OWL, Urbanlab - Stalag 326
NW.de - Stalag 326
QuellenNickel, Oliver & Dr. Poste, Burkhard (Hrsg.). (2023). Nicht nur Gräber als Erinnerung. Festschrift: 30 Jahre Förderverein Gedenkstätte Stalag 326 (VI K) Senne e.V., 1. Auflage, S. 38/39