Kunst und Bauen in Nordrhein-Westfalen – eine Frage der kulturpolitischen Verantwortung im Bereich des Bauens

Friederike van Duiven vom Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler über die (Un-)Sichtbarkeit von Kunst im Rahmen öffentlicher Bauprojekte

Der öffentlichen Hand kommt als Bauherrin eine besondere baukulturelle Verantwortung und Vorbildfunktion zu. Deshalb ist als eine der wichtigsten Maßnahmen zur Förderung der bildenden Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg von Bund und Ländern eine spezifische Regelung zur Selbstverpflichtung erlassen worden, bei öffentlichen Baumaßnahmen einen bestimmten Prozentsatz der Bausumme für Kunst bereitzustellen, sofern Funktion und Bedeutung des Baus dies rechtfertigen. Kunst und Bau waren, solange diese Verpflichtung in Nordrhein-Westfalen galt, auch hier integraler Bestandteil der Bauaufgabe und der öffentlichen Bauherrenverantwortung.

Auf diese Weise wurden in der Vergangenheit in Nordrhein-Westfalen viele eindrucksvolle Kunstwerke geschaffen, die das baukulturelle sowie künstlerische Niveau und Verständnis im Land widerspiegeln. Sie sind Visitenkarte des hohen Stellenwertes öffentlicher Kulturpflege und des Bekenntnisses zu aktueller Kunst.

Mit dem Kunst-und-Bau-Programm wurden über viele Jahre Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten für bildende Künstlerinnen und Künstler geschaffen. Daraus ergaben sich künstlerische Aufgaben mit einem besonderen unmittelbar öffentlichen Bezug. Die entstandenen Kunstwerke prägen staatliche Bauten und oft auch den öffentlichen Raum, sie machen die Bauwerke unverwechselbar und tragen zur Identifikation der Nutzer und der Bürger mit den jeweiligen Bauten bei. Nicht nur bei repräsentativen staatlichen Großbauten hatte Kunst ihren Platz, sondern ebenso selbstverständlich in Schulen, Krankenhäusern, Universitäten und auf öffentlichen Plätzen.

Oft zogen die Kunstwerke auch heftige Kritik nach sich und es ergaben sich polarisierende Diskussionen. Alles in allem aber trug die regelmäßige Beteiligung der Künstlerinnen und Künstler an öffentlichen Bauaufträgen unbestritten zu einer großen Sichtbarkeit von Kunst bei – verbunden mit dem durchgängigen öffentlichen Bekenntnis zu mitunter auch irritierenden zeitgenössischen künstlerischen Ansätzen.

Die Sichtbarkeit aktueller künstlerischer Arbeit durch regelmäßige Beteiligung an öffentlichen Bauaufträgen ist leider in den letzten zehn Jahren in Nordrhein-Westfalen wesentlich zurückgegangen.

Dies lässt sich auch in dieser Dokumentation an der Entstehungsfolge der realisierten Projekte ablesen. Warum aber hat das Land – oder besser: warum haben die regierenden Politiker des Landes – diese Verpflichtung zur Pflege der Kultur trotz enormer Investitionen in öffentliche Bauwerke vernachlässigt? Angesichts dieser Dokumentation kann es nicht an der Qualität der realisierten Kunstwerke gelegen haben. Haben sich vielleicht die Werte oder Ziele politischen Handelns verschoben? Ist die Kulturpflege und die inhaltlich eng damit verknüpfte Pflege des Gemeinwesens nicht mehr selbstverständlicher integraler Teil politischen Handelns? Was ist dann an deren Stelle getreten? Das Erscheinungsbild des öffentlichen Raumes in unseren Städten kann dafür einen ersten Hinweis geben ...

Die Künstlerinnen und Künstler vermissen nicht allein die Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten durch das Kunst-und-Bau-Programm, sondern auch die Verantwortung der Landesmütter und -väter als Bauherren für Baukultur mit allen kulturellen und sozialen Konsequenzen.

Armin Zweite, ehemaliger Direktor der Stiftung Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, schrieb in seinem Beitrag zur Dokumentation des Landes zu Kunst und Bau 1998–2007:

„Vor diesem Hintergrund sollte die im Ganzen positive Bilanz der Kunst und Bau Projekte Nordrhein-Westfalens nicht nur dazu verleiten, das bisher so eindrucksvoll Erreichte zu würdigen, sondern auch dazu, den [damals] eingeschlagenen Weg mit Entschiedenheit fortzusetzen, um in dieser [damaligen] Sphäre unseres kulturellen Habitus mehr zu ermöglichen. Schließlich geht es in diesem so fragilen Sektor des Verhältnisses von freier Kunst und funktionaler Architektur auch um Gewinnung und Bewahrung von Lebensqualität in Städten, die häufig genug von strukturellen Verwerfungen, ökonomischen und sozialen Einbrüchen und damit einhergehender Depravation geprägt sind.“

Vita

Friederike van Duiven ist seit 1995 im Vorstand des Bundesverbandes Bildender Künstlerinnen und Künstler e.V. (BKK), seit 2007 außerdem Vorsitzende des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen des BKK. Von 1985 bis 1991 studierte sie Freie Graphik und Malerei bei Prof. Sovak an der Fachhochschule für Kunst und Design in Köln. 1992 erfolgte die Ernennung zur Meisterschülerin. Friederike van Duiven ist Sachkundige Einwohnerin im Kulturausschuss des Rates der Stadt Köln, Sprecherin von KulturNetz Köln sowie Gründungsmitglied und Sprecherin von SUMO, einem Zusammenschluss nichtkommerzieller Kunsträume in Köln. Sie ist Mitglied des Kuratoriums StadtBauKultur NRW, des WDR-Rundfunkrats und des Aufsichtsrats der Filmstiftung NRW.

Dieser Beitrag erschien in der Publikation: Ohne Kunst kein Bau! Kunst-und-Bau-Projekte in Nordrhein-Westfalen 2007-2019

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